Das frühe Kino lebt! 40 Jahre Stummfilmwoche in Regensburg. Eine Dokumentation

Die Regensburger Kulturjournalistin Gabrielle Pinkert kennt die Stummfilmwoche seit vielen Jahren. Als 2021 langsam das heuer gefeierte 40. Jubiläum am Horizont auftauchte, hat sie sich die Frage gestellt: Wer oder was steckt denn hinter diesen ehrenamtlich organisierten Filmkonzerten? Was war Initialzündung und ist regelmäßiger Motor? Was treibt die engagierten Macher:innen an, jährlich ihre Freizeit in die umfangreiche Organisation zu stecken? Und welcher Vorbereitungen bedarf es überhaupt, bis das erste „Klack“ mit anschließendem Surren des Projektors für ein spannendes Filmerlebnis mit Live-Konzert und für begeisterte Gäste sorgt?

So hat sie im letzten Jahr die Monate der Vorbereitung mit ihrer Kamera begleitet und während des Festivals hinter die Kulissen geblickt. Sie hat mit Musikerinnen und Technikern gesprochen, den früheren Machern und jetzigen Organisatorinnen Fragen gestellt, ins Team hineingehorcht, allen über die Schulter geschaut und Atmosphäre eingefangen. Normalerweise sehen die Zuschauer:innen die filmischen Meisterwerke auf der Leinwand und die Musiker:innen davor und hören vielleicht das leise Geräusch des historischen 35mm-Projektors. Hier erfahren sie Hintergründe – und quasi „nebenbei“ wird deutlich, was für ein außergewöhnlich aktiver und attraktiver Kinostandort Regensburg ist.

In der Säulenhalle ist begleitend eine Plakat- und Fotoausstellung über die Stummfilmwoche zu sehen.

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Die Regensburger Kulturjournalistin Gabrielle Pinkert kennt die Stummfilmwoche seit vielen Jahren. Als 2021 langsam das heuer gefeierte 40. Jubiläum am Horizont auftauchte, hat sie sich die Frage gestellt: Wer oder was steckt denn hinter diesen ehrenamtlich organisierten Filmkonzerten? Was war Initialzündung und ist regelmäßiger Motor? Was treibt die engagierten Macher:innen an, jährlich ihre Freizeit in die umfangreiche Organisation zu stecken? Und welcher Vorbereitungen bedarf es überhaupt, bis das erste „Klack“ mit anschließendem Surren des Projektors für ein spannendes Filmerlebnis mit Live-Konzert und für begeisterte Gäste sorgt?

So hat sie im letzten Jahr die Monate der Vorbereitung mit ihrer Kamera begleitet und während des Festivals hinter die Kulissen geblickt. Sie hat mit Musikerinnen und Technikern gesprochen, den früheren Machern und jetzigen Organisatorinnen Fragen gestellt, ins Team hineingehorcht, allen über die Schulter geschaut und Atmosphäre eingefangen. Normalerweise sehen die Zuschauer:innen die filmischen Meisterwerke auf der Leinwand und die Musiker:innen davor und hören vielleicht das leise Geräusch des historischen 35mm-Projektors. Hier erfahren sie Hintergründe – und quasi „nebenbei“ wird deutlich, was für ein außergewöhnlich aktiver und attraktiver Kinostandort Regensburg ist.

In der Säulenhalle ist begleitend eine Plakat- und Fotoausstellung über die Stummfilmwoche zu sehen.

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Das frühe Kino lebt! 40 Jahre Stummfilmwoche in Regensburg. Eine Dokumentation

Gabrielle Pinkert, D 2021/2022, 45 min., digital

(Eintritt frei, der Film läuft in Dauerschleife)

Ort: Säulenhalle des Thon-Dittmer-Palais

Buster Keaton: Our Hospitality - Verflixte Gastfreundschaft

Keine Stummfilmwoche ohne rasante Komödie – Buster Keaton ist ihr häufigster Protagonist in Regensburg.

Für seinen ersten Langfilm hat sich Buster Keaton eine reale Geschichte auf den Leib geschrieben und mit viel Witz und Poesie umgesetzt – es geht um eine Blutfehde zwischen zwei Familien, deren erwachsene Kinder sich ineinander verlieben. Allein die Gesetze der Gastfreundschaft schützen Buster vor tödlicher Rache. Zu ungeschützt war er bei den Stunts – er wäre 2x fast im tosenden Wasser umgekommen – was dem Film aber spektakuläre Szenen beschert.

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Keine Stummfilmwoche ohne rasante Komödie – Buster Keaton ist ihr häufigster Protagonist in Regensburg.

Dies ist Busters erster Langfilm, und er hat damit gleich Standards gesetzt. Während bei den, bis dahin bei Komödien üblichen, „one reeler“ die Handlung eher Nebensache war und es um eine Abfolge möglichst guter Slapstick-Szenen ging, wäre das bei einem langen „four/five reeler“ langweilig geworden. Keaton hat sich eine spannende, an die Realität angelehnte Geschichte auf den Leib geschrieben und mit viel Witz und Poesie umgesetzt – es geht um eine alte Blutfehde zwischen zwei Familien, und natürlich verlieben sich die Tochter der einen in den Sohn der anderen. Buster wird ahnungslos von seiner Flamme zum Essen an den heimischen Tisch eingeladen, und nur die Gesetze der Gastfreundschaft schützen ihn vor tödlicher Rache. Aber irgendwann muss er das Haus ja wieder verlassen…

Auch in anderer Hinsicht ist das ein Familienfilm: Busters Ehefrau spielt die Hauptrolle, ebenso sind sein Vater und sein einjähriger Sohn dabei. Und Keaton hätte die Dreharbeiten fast nicht überlebt, er hat ja alle Stunts selbst ausgeführt. Erst mal ist er in dem tosenden Fluss wegen eines gerissenen Halteseils unkontrolliert abgetrieben. Die folgende – auch physikalisch – spektakuläre Wasserfallszene ist zwar im Studio gedreht, er hat dabei aber so viel Wasser geschluckt, dass gleich der Notarzt kommen musste – seine Frau, damals schwanger, hat er dieser Gefahr nicht ausgesetzt, sie war durch eine Puppe ersetzt. Ganz Profi: nachdem das alles schon im Kasten war, ist es natürlich im Film geblieben.

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Buster Keaton: Our Hospitality - Verflixte Gastfreundschaft

Buster Keaton, John G. Blystone, USA 1923, 74 Minuten, sw, englische Zwischentitel, digital

Buch: Clyde Bruckman, Jean Havez, Joseph A. Mitchell, Kamera: Elgin Lessley, Gordon Jennings, Schnitt: Buster Keaton, Produzent: Joseph M. Schenck, Schauspieler:innen: Buster Keaton, Natalie Talmadge, Joe Roberts, Leonard Clapham, Joe Keaton u.a.

Ort: Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais

Der Student von Prag

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: der erste Film der 1. Regensburger Stummfilmwoche.

Ein „Premierenfilm“: der erste abendfüllende „Künstler-Film“; Begründer des deutschen expressionistischen Kinos; gedreht kurz nach Eröffnung von Babelsberg; Paul Wegener in seiner ersten Filmrolle wird zum Star des Phantastischen Films; und: erster Film der 1. Stummfilmwoche. Es geht um eine gespaltene Persönlichkeit – ein armer Student verkauft sein Spiegelbild an den Teufel. Was er nicht bedacht hat: der Doppelgänger entwickelt ein Eigenleben…

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Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: der erste Film der 1. Regensburger Stummfilmwoche.

Diese erste Fassung von DER STUDENT VON PRAG von 1913 vereint viele „Premieren“ in sich: er gilt als der erste abendfüllende „Künstler-Film“, der das bis dahin fast anrüchige Medium zu einer Kunstform gemacht hat – er basiert nicht auf einer literarischen Vorlage, sondern H.H. Ewers orientierte sich mit seinem Originaldrehbuch an E.T.A. Hoffmann. Viele Theaterleute sind an diesem Werk beteiligt, durch den geschickten Einsatz von Tricktechnik werden Szenen erschaffen, die sich deutlich von den Möglichkeiten der Bühne abheben und die den Ruhm des deutschen expressionistischen Kinos begründen. Zudem ist er in den brandneuen Studios Babelsberg gedreht worden (plus vielen Außenaufnahmen in Prag). Der renommierte Theaterschauspieler Paul Wegener ist hier erstmals auf der Leinwand zu sehen, erkannte das Potenzial des neuen Mediums und wurde zu einem der frühen Stars des Phantastischen Films (DER GOLEM!).

Nicht zuletzt war dies der erste Stummfilm, den der SAF, der „studentische arbeitskreis film der universität regensburg e.v.“, 1982 mit Live-Musik zeigte, was sich 1983 in der „Paul-Wegener-Woche“ fortsetzte, die vor 40 Jahren die „Regensburger Stummfilmwoche“ begründete.

Der Film spielt 1820 und greift ein Motiv der Romantik auf, die gespaltene Persönlichkeit – der arme Student Balduin verkauft sein Spiegelbild an den Teufel, um gesellschaftlich und von seinem Schwarm, der Comtesse Margit von Schwarzenberg, anerkannt zu werden. Was Balduin nicht bedacht hat: der Doppelgänger entwickelt ein Eigenleben…

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Der Student von Prag

Hanns Heinz Ewers, Stellan Rye, D 1913, 85 Minuten, sw, 35mm

Drehbuch: Hanns Heinz Ewers, Produktion: Deutsche Bioscop GmbH, Kamera: Guido Seeber, Schauspieler:innen: Paul Wegener, Lyda Salmonova, Grete Berger, Lothar Körner, John Gottowt u.a.

Ort: Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais

Kopie + Photos: Bundesarchiv Filmarchiv, Berlin

Erotikon

2009 wechselte die Leitung der Stummfilmwoche. Dieser Film prägte die erste Edition nach dem Neustart.

Regisseur Gustav Machatý kennt die Errungenschaften des frühen Kinos und greift meisterhaft auf sie zurück, um seine Geschichte um ein naives Mädchen vom Land, das von einem Städter verführt wird, intensiv zu bebildern. Er fängt die starke Leinwandpräsenz der jungen Ita Rina so ein, dass es uns noch heute im Innersten berührt – dies insbesondere in den Szenen, in denen er die weibliche Sinnlichkeit in bisher ungesehener Weise zeigt.

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2009 wechselte die Leitung der Stummfilmwoche. Dieser Film prägte die erste Edition nach dem Neustart.

EROTIKON ist ein später Stummfilm, 1929 waren die ersten Tonfilme schon gedreht, und Regisseur Gustav Machatý kennt die Errungenschaften und Stile des frühen Kinos und greift meisterhaft auf sie zurück, um seine Geschichte intensiv zu bebildern – er hat am Set von Erich von Stroheim mitgearbeitet und sich bei F.W. Murnau die modernen Nahaufnahmen abgeschaut.

Und er kommt seiner Hauptfigur sehr nah und schafft es, die starke Leinwandpräsenz der jungen Ita Rina so einzufangen, dass es uns noch heute im Innersten berührt – dies insbesondere in den Szenen, in denen er die weibliche Sinnlichkeit in bis dahin ungesehener Weise zeigt.

Der Film beginnt in einer dunklen stürmischen Nacht auf dem Land. Ein weitgereister Städter strandet auf einem einsamen Bahnsteig, der Bahnwärter bietet ihm sein Gästebett an, muss aber zum Dienst. Seine junge Tochter und der Überraschungsgast bleiben allein… am nächsten Tag fahren die Züge wieder und der feine Herr entschwindet nach Prag, wo er wie gewohnt seine Liebeleien verfolgt und das Intermezzo bald vergisst…

Über Jahrzehnte verschollen ist es ein Glück, dass 1993 eine – wenn auch ramponierte – Nitro-Kopie auftauchte. „What was saved is a melodramatic masterpiece of erotic obsession, betrayal, doom, murder and redemption.” Und ein Moment zum Schmunzeln ist, als sich der Filmtitel erklärt…

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Erotikon

Gustav Machatý, ČSR 1929, 89 Minuten, sw, dt. Untertitel, cz. Zwischentitel, 35mm

Buch: Gustav Machatý, Kamera: Václav Vich, Ausstattung: Julius von Borsody, Alexander Hackenschmied, Produktion: Geem-Film, Schauspieler:innen: Ita Rina, Olaf Fjord, Karel Schleichert, Theodor Pistek, Charlotte Susa u.a.

Ort: Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais

Kopie + Photos: Národní filmový archiv, Prag; mit Dank an Thomas Sessler Verlag, Wien

Menschen am Sonntag

Der Wunschfilm von Dr. Medard Kammermeier, der treibenden Kraft hinter den ersten 25 Jahren Stummfilmwoche.

Vier junge Berlinerinnen und Berliner verbringen einen Sommersonntag am Wannsee. Sie flirten, planschen, hören Musik, geben sich dem unbeschwerten Nichtstun hin – und wir dürfen ihnen dabei zusehen. Fünf spätere Hollywoodgrößen (u.a. Billy Wilder) haben sich zusammengetan, um einen flirrender leichten Spielfilm mit Laien­ zu machen, der eigentlich ein Dokumentarfilm ist und uns viel vom damaligen Berlin zeigt. (ausgewählt von Medard Kammermeier)

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Der Wunschfilm von Dr. Medard Kammermeier, der treibenden Kraft hinter den ersten 25 Jahren Stummfilmwoche.

Nouvelle Vague 30 Jahre vor Godard: Vier junge Berliner verbringen einen Sommersonntag am Wannsee. Sie flirten, planschen, hören Musik, verlieben sich ein bisschen, geben sich dem unbeschwerten Nichtstun hin – und wir dürfen ihnen dabei zusehen. Ein flirrender leichter Sommerfilm, der uns charmant viel vom damaligen Berlin und dem richtigen Leben zeigt.

Wenn Sie die Namen der am Film Beteiligten lesen, werden Sie vielleicht etwas Kurioses bemerken: die Menschen vor der Kamera sind komplett unbekannt, sie sind in ihrem Leben nur dieses eine Mal vor der Kamera gestanden. Die Burschen hinter der Kamera sind alle zu Größen in Hollywood geworden. Heute noch am bekanntesten sind wohl Billy Wilder, der uns Irma la Douce, Eins-zwei-drei und Sabrina geschenkt hat, und Fred Zinnemann (Zwölf Uhr mittags, Verdammt in alle Ewigkeit). Die fünf jungen Leute, die sich damals ihre ersten Sporen verdienten, haben sich zusammen- und wieder auseinandergerauft für ihre Idee, einen Spielfilm zu machen, der eigentlich ein Dokumentarfilm ist.

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Menschen am Sonntag

Robert Siodmak, Rochus Gliese (erste Drehtage), Edgar G. Ulmer (eine Woche), D 1928, 74 Minuten, sw, 35mm

Buch: Billy Wilder (nach einer Reportage von Kurt Siodmak), Kamera: Eugen Schüfftan, Assistenz: Fred Zinnemann, Schnitt: Robert Siodmak, Produzenten: Heinrich Nebenzahl, Edgar G. Ulmer, Moriz Seeler, Produktion: Filmstudio 1929 (Berlin), Kirch Media GmbH & Co. KG (Ismaning) (2000), Arte, Schauspieler/innen: Erwin Splettstößer, Brigitte Borchert, Wolfgang von Waltershausen, Christl Ehlers, Annie Schreyer u.a.

Ort: Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais

Kopie + Photos: Stiftung Deutsche Kinemathek

Erich v. Stroheim: Blind husbands - Blinde Ehemänner

Mit herzlichem Dank an Nina Goslar von der ZDF/ARTE-Filmredaktion. Für die Unterstützung, die frisch restaurierte 4K-Fassung zeigen zu können, und v.a. für die wertvolle langjährige Begleitung der Regensburger Stummfilmwoche und die Hilfe in manch schwieriger Situation.

“The man you love to hate” – in seinem Regiedebut inszeniert sich Erich von Stroheim genau so. Sein Faible für Adel und Offiziere konnte er in Hollywood ausleben und verband in seinen präzisen, ironischen, unsentimentalen Werken die Neue und die Alte Welt, hier in den Dolomiten. In diesem Gesellschaftsdrama ist er der Verführer und Hochstapler, der auf den ersten Blick den Frust einer vernachlässigten Ehefrau und, für die Zeit sehr offen, ihre Sehnsüchte erkennt.

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Herzlichen Dank an Nina Goslar von der ZDF/ARTE-Filmredaktion. Für die Unterstützung, die frisch restaurierte 4K-Fassung zeigen zu können, und v.a. für die wertvolle langjährige Begleitung der Regensburger Stummfilmwoche und die Hilfe in manch schwieriger Situation.

“The man you love to hate” – schon in seinem Regiedebut wird deutlich, warum Erich von Stroheim sich diese spätere Charakterisierung verdient hat. 1909 in die USA ausgewandert, konnte der Wiener dort sein Faible für Adel und Offiziere kultivieren, sich als Schauspieler erste Sporen verdienen und Unterstützung für sein erstes eigenes Drehbuch gewinnen.

Stroheim ist die prägende Figur in diesem Gesellschaftsdrama: natürlich als der Verführer und Hochstapler, der aber auch auf den ersten Blick den Frust einer vernachlässigten Ehefrau und – für die Zeit sehr offen – ihre Sehnsüchte erkennt. Er mischt seine Neue und Alte Welt, indem er ein amerikanisches Ehepaar in Cortina d’Ampezzo in den Dolomiten urlauben lässt und fast nebenbei spektakuläre Bilder von den Drei Zinnen auf die Leinwand bringt.

Der brilliant inszenierte BLIND HUSBANDS ist der Start einer außergewöhnlich steilen Regiekarriere – allerdings steil in beide Richtungen. Stroheim wurde zu einem der begehrtesten Filmemacher Hollywoods in den 1920er Jahren, hoch geschätzt für seine präzisen, ironischen, unsentimentalen Werke wie GREED oder THE MERRY WIDOW. Aber sein Unvermögen, Budgets, Drehpläne und Laufzeiten einzuhalten, stresste die Studios, so dass er ab 1933 „nur“ noch als Schauspieler akzeptiert wurde. Und keines seiner Werke ist wegen Kürzungen und Zensur im „director’s cut“ erhalten. Das Österreichische Filmmuseum konnte nun erstmals auf das in den Universal Studios gefundene Continuity-Drehbuch zurückgreifen, um möglichst genau die Fassung von 1919 zu rekonstruieren.

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Erich v. Stroheim: Blind husbands - Blinde Ehemänner

Erich von Stroheim, USA 1919, 100 Minuten, sw und farbig (Virage & Tonung), 4K-restaurierte Fassung, deutsche Zwischentitel, digital

Alternativtitel: Die Rache der Berge, Buch: Erich von Stroheim, nach seiner Erzählung „The Pinnacle“, Kamera: Ben F. Reynolds, Schauspieler:innen: Sam De Grasse, Francelia Billington, Erich von Stroheim, T. H. Gibson-Gowland u.a.

Ort: Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais

Kopie + Photos: Österreichisches Filmmuseum, Wien

Abwege

Der Wunschfilm von Viktor Rotthaler, der mit seinem Gespür für Film und Musik seit rund 30 Jahren die Stummfilmwoche aus dem Hintergrund mitgestaltet.

Brigitte Helm, "der Roboter" aus METROPOLIS, ist hier eine vernachlässigte Ehefrau und hat eine starke Gegenspielerin: Hertha von Walther. Zusammen sind sie das perfect match des Weimarer Kinos, grundiert von der Suche nach dem "dritten Geschlecht". Ganz BABYLON BERLIN, spielt das Nachtleben der Hauptstadt eine weitere Hauptrolle. Der selten gezeigte ABWEGE steht im Werk von Regisseur G.W. Pabst zu Unrecht im Schatten. (ausgewählt von Viktor Rotthaler)

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Der Wunschfilm von Viktor Rotthaler, der mit seinem Gespür für Film und Musik seit rund 30 Jahren die Stummfilmwoche aus dem Hintergrund mitgestaltet.

„Als ich in den frühen neunziger Jahren begann, regelmäßig das Filmmuseum München zu besuchen, konnte ich im Laufe der Zeit fast den kompletten Stummfilm-"Kanon" des Weimarer Kinos der Roaring Twenties kennen lernen. Die besonderen Schmankerl waren natürlich die Filme, die es nie in den "Kanon" geschafft haben. Das hatte oft weniger mit der "Qualität" zu tun als mit der "Unsichtbarkeit" dieser Filme, die manchmal sogar 80 Jahre lang von der Leinwand "verschwunden" waren. Einige Filme von Murnau z. B. gelten bis heute als "lost". Das komplette Stummfilmwerk von G. W. Pabst dagegen ist zwar überliefert, aber ABWEGE stand bis vor ein paar Jahren immer im Schatten der beiden Louise-Brooks-Klassiker von 1929: DIE BÜCHSE DER PANDORA und TAGEBUCH EINER VERLORENEN. Zu Unrecht, wie ich meine. Wer will, kann ABWEGE als ersten Teil einer Pabst-Trilogie sehen, die in den beiden Brooks-Vehikeln gipfelte. Ein modernes Frauen-Triptychon, das inspiriert ist vom Nachtleben einer Stadt, die zuletzt als BABYLON BERLIN in Szene gesetzt wurde. ABWEGE war nach METROPOLIS ein weiteres Vehikel für die "coole" Brigitte Helm. Aber dieses Mal hat sie eine starke Gegenspielerin: Hertha von Walther. Zusammen sind sie das "perfect match" des Weimarer Kinos, das auch grundiert ist von Berlins Suche nach dem "dritten Geschlecht". Bis zu ihrem Tod 1987 lebte Hertha von Walther um die Ecke vom Filmmuseum München, nur einen Katzensprung entfernt. Ihrem Andenken habe ich meine Filmauswahl gewidmet.“

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Abwege

G.W. Pabst, D 1928, 97 Minuten, sw, 35mm

Buch: Franz Schulz, Adolf Lantz, Ladislaus Vajda, Helen Gosewish, Produktion: Fred Lyssa, Kamera: Theodor Sparkuhl, Schnitt: G.W. Pabst, Marc Sorkin, SchauspielerInnen: Brigitte Helm, Gustav Diessl, Hertha von Walther, Jack Trevor, Fritz Odemar u.a.

Ort: Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais

Kopie + Photos: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin

Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (München)

Sabrina Zimmermann (Violine)
Mark Pogolski (Piano)

Sabrina Zimmermann an der Geige und Mark Pogolski am Klavier – jedes ihrer Filmkonzerte ist eine fulminante Vorstellung. Wir freuen uns sehr, dass uns das international renommierte Ensemble auch in diesem Jahr mit zwei Vorstellungen beehrt.

Beide Musiker bauen auf langjährige professionelle Erfahrung in Musik und Stummfilm. Zudem dürfen sie das Erbe von Aljoscha Zimmermann fortführen, Sabrinas Vater und weltweit anerkannter Stummfilmmusiker. Er wurde berühmt für die Fähigkeit, dem Stummfilm vitale Ausdruckskraft zu geben und den Bildern Gefühle und Geschichten für den modernen Menschen zu entlocken. Nach seinem Tod im Dezember 2009 hinterließ er über 400 Partituren und musikalische Themen, die er seiner Tochter und seinem erwählten Nachfolger Mark Pogolski zur Weiterführung in die Hände legte. Das Ensemble konzertiert nun mit eigens bearbeiteten Partituren auf wichtigen internationalen Filmfestivals und hat Fernseh- und DVD-Produktionen von zahlreichen Stummfilmen erfolgreich aufgenommen. 2020 startete das Ensemble ein eigenes Stummfilmfestival zum Gedenken seines Gründers in München.

Sabrina Zimmermann ist seit 1992 Teil des Aljoscha-Zimmermann-Ensembles. Ihr virtuoses Spiel der Geige brachte ihr bereits zahlreiche Auszeichnungen und sie ist auf internationalen Bühnen zuhause. Nun arrangiert und bearbeitet sie zusammen mit dem Pianisten und Komponisten Mark Pogolski die Partituren von Aljoscha Zimmermann. Mark baut ebenfalls auf 15 Jahre Erfahrung als Stummfilmmusiker auf. Er ist Professor und musikalischer Leiter der Ballett-Abteilung an der Hochschule für Musik und Theater München und mehrfacher Preisträger für Komposition und Piano.

www.stummfilm-münchen.de // www.stummfilm-aljoscha-zimmermann.de

Our Hospitality - Verflixte Gastfreundschaft - Di 16.08. Abwege - So 21.08.

Bertl Wenzl (Regensburg)

Multiinstrumentalist

Bertl Wenzl ist ein erfahrener Stummfilmmusiker, der schon oft mit den „Negerländern“, solo oder in kleinen Besetzungen unser Festival mit seinen Blasinstrumenten bereichert hat. Mit außergewöhnlichen Klängen hat er bereits Buster Keatons DER GENERAL, Karl Valentins MYSTERIEN EINES FRISIERSALONS bzw. abstraktere Werke wie PARIS QUI DORT veredelt. In den letzten Jahren war er gemeinsam mit Markus Stark vor allem auf atmosphärisch dichte "Gruselmusik" spezialisiert, z.B. mit PHANTOM DER OPER, FUHRMANN DES TODES oder Werke von Hitchcock. Nach dem solo bearbeiteten VAMPYR im letzten Jahr widmet er sich heuer einem der ganz frühen Horrorfilme.

(Foto: Hubert Lankes)

Der Student von Prag (1913) - Mi 17.08.

Rainer J. Hofmann (Regensburg)

Multiinstrumentalist

Die von ihm gestalteten Filmkonzerte sind jedes Mal wieder ein spannendes Erlebnis: Ob Komödien von Buster Keaton oder Dramatisches wie DER BERG DES SCHICKSALS, ob Klassiker wie HAMLET oder auch Dokumentarisches wie DER MANN MIT DER KAMERA – der vielseitige Regensburger Musiker Rainer J. Hofmann versteht es seit Jahren, 'seinen' Stummfilmabend zu einem wunderbaren Konzert zu machen und sein Publikum zu begeistern. Er setzt dabei mitunter – zum Teil selbstgebaute – Instrumente und Tonerzeuger ein und schafft ungewöhnliche und zugleich faszinierende Klangwelten.

Rainer Hofmann hat breite Erfahrung als Begleiter von Liedern und Chansons aller Epochen (auch aus der großen Zeit der Stummfilme!), als Komponist und Musiker bei Film und Theater, Band, Orchester und Improvisationsprojekten. Sein Name ist eng verbunden mit den Chansons des „Trio Trikolore“ oder dem „RostMondOrchestra“. In Produktionen von Joseph Berlinger und dem „Theater im Hesperidengarten“ war er als Bühnenmusiker und Komponist ebenso beteiligt wie an dessen Projekt "Der Brandner Kaspar in der Hölle" in Hohengebraching sowie der Produktion „Die Richterin“ am Regensburger Turmtheater.

www.musiker-hofmann.de

( Photo: privat )

Erotikon - Do 18.08

Martin Rohrmeier (Lausanne/Berlin/Straubing)

Piano

Martin Rohrmeier wurde 1979 in Deggendorf geboren. Er studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Mathematik in Bonn und Cambridge, wo er schließlich unter Prof. Ian Cross promovierte. 2014 wurde er als Professor an das Institut für Kunst und Musikwissenschaft der TU Dresden berufen. Seit 2017 ist er Associate Professor für Musikwissenschaft an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, wo er das Digital and Cognitive Musicology Lab (DCML) leitet. An der EPFL lehrt er digitale Musikwissenschaft, Musiktheorie sowie musikalische Improvisation.

Als Stummfilmpianist ist er seit 2010 mit zahlreichen Konzerten und Sonderveranstaltungen in und um Berlin, sowie in Vevey, St. Petersburg und New York aktiv. Seit 2012 ist er Vorstand des Berliner Stummfilmvereins "Laufende Bilder e.V.", in dessen Rahmen zusammen mit dem Autor Ludwig Lugmeier sowie Burkhard Götze, dem Leiter des Metropolis Stummfilmorchesters Berlin, wöchentliche Stummfilmveranstaltungen und Sonderkonzerte organisiert werden. Weiterhin organisierte und spielte er Stummfilmkonzerte in Unterkünften syrischer Flüchtlinge in Dresden (2016).

Musikalisch beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Musik und Sprache, sowie dem Verhältnis von musikalischer Struktur, Interpretation und Bedeutung. In seiner Musik exploriert er die Möglichkeiten erweiterter Tonalität und Tonfeldmusik. Sein Spiel ist wesentlich geprägt durch Impulse von Aki Takase sowie durch seinen langjährigen Austausch mit Michael Polth und Uri Rom.

Menschen am Sonntag - Fr 19.08.

Vsevolod Pozdejev (Estland, Deutschland)

Piano

Vsevolod wurde 1979 in Tallinn (Estland) geboren und lebt seit vielen Jahren in Regensburg. Er absolvierte sein Bachelor- und Master-Studium an der Estnischen Musik- und Theaterakademie in der Klavierklasse von Prof. Valdur Roots und in der Kompositionsklasse von Prof. Jaan Rääts. Seit 2009 ist Vsevolod Mitglied des Estnischen Komponistenverbands.

Die Hauptfrage, mit der er sich in seinem künstlerischen Schaffen beschäftigt, ist die Verbindung zwischen den Sphären der Musik und der Worte. Eine seiner Kammeropern, Frau Elsa, wurde 2013 mit Unterstützung der Pille-Lill-Musikstiftung beim Winterfestival der Kammermusik in Tallinn aufgeführt. Seine Kammeroper Sieben Briefe zur Begegnung (Briefwechsel zwischen Rainer Maria Rilke und Marina Zwetajewa) wurde 2014 in der Musikhochschule Luzern (Inszenierung Eva Laas) im Luzerner Theater aufgeführt.

Seine Werke waren bei zahlreichen internationalen Festivals zu hören: Międzynarodowy Konkurs im Juliusza Zarębskiego (Polen 2011), Usedom Music Festival (2013), Von der Avantgarde bis zum Heute (Sankt Petersburg 2014), A European Pianorama (GB 2016), BDZ Eurofestival Zupfmusik (Bruchsal 2018), Isabella Jurjewa Wettbewerb (Tallinn 2019), PIANALE International Piano Academy and Competition (Fulda 2019), Podkarpacka Fundacja Rozwoju Kultury (Sanok, Poland, 2022). 2017 fand die Uraufführung seiner Kammermusikwerke durch das Musiktheaterensemble JunGeOper in Luzern und Zürich statt.

2022 wurden seine Klavierwerke in Rahmen einer Konzertreihe mit Bilderausstellungen „Der Mensch mit Regenschirm“ (Pianistin Eva Laas, Künstler/Innen Alois Binder, Ann Karelin u. a.) in Regensburg, Abensberg und Estland (Rakvere und Narva) uraufgeführt.

Darüber hinaus ist Vsevolod Musiklehrer, seit 2020 Ballettrepetitor des Theater Magdeburg, seit 2021 Jurymitglied des internationalen Musikwettbewerbs Donauwelle und hat neben den genannten Kompositionen auch Chorwerke und Filmmusik geschaffen. Seine Stummfilmvertonungen haben eine ganz eigene, neoromantische Stimmung. Er verwendet keine musikalischen Zitate, sondern wir hören frischkomponierte Originalmusik.

www.emic.ee/vsevolod-pozdejev

Blind husbands - Blinde Ehemänner - Sa 20.08.

Die
REGENSBURGER STUMMFILMWOCHE
ist ein Projekt des
ARBEITSKREIS FILM REGENSBURG e.V.